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PAROS - INSEL ZWISCHEN TRADITION UND MODERNE
Rucksäcke auf Koffern gestapelt, dick gefüllte Reisetaschen, eine Frau - auf ihrem Koffer sitzend - blättert in einem französischen Reiseführer über kykladische Inseln, ein kleiner asiatisch anmutender Junge zeigt begeistert allen Wartenden in dem überdachten Gate 4 seinen blauen Knautschgeist... Wir befinden uns in Athinios, im Hafen von Santorin, in freudiger Erwartung der Flying-Cat, die uns für drei Wochen auf die Kykladeninsel Paros bringen soll. Das Gatter wird geöffnet und das ganze Chaos setzt sich in Bewegung, entert das Schnellboot. Ein uniformierter Matrose gibt uns Anweisung, unsere Koffer in den Gang zu stellen, nach Ios auf die linke Seite vorne, nach Paros auf die rechte Seite in das hintere Eck, nach Naxos ins vordere Eck - das Tohuwabohu beim Aussteigen ist auf alle Fälle vorprogrammiert.
Bis man im Trubel seinen Platz gefunden hat, hat sich der rot-weisse Riesenfisch schon in Bewegung gesetzt, keine Zeit mehr für ein Foto von der gigantischen Steilküste von Santorin, weil das Schiff seinen Fahrplan einhalten muß. Seitdem der Konkurrenzdruck im Fährengeschäft in der Ägäis mit der EG-Öffnung größer geworden ist, müssen auch die Griechen von ihrem - fast schon liebenswerten - Hang zum unorganisiertem Chaos lassen. Ganz ist diese nationale Eigenschaft aber dennoch nicht ausgestorben, und es bleibt zu hoffen, daß sie nicht Disziplin und straffer Organisation weichen muß!

Im Hafen von Parikia auf Paros angekommen, erwarten uns die griechischen Zimmeranbieter: Ihre Tafeln mit Fotos von ihren rooms und studios mit best view und sonstigen Annehmlichkeiten hochhaltend, versucht einer den anderen mit lauter Stimme zu übertönen um ja den einen oder anderen Rucksacktouristen mit nach Hause zu bringen. Wir werden schließlich von Nikos in einem uralten klapprigen VW-Bus nach Naoussa, einem wie sich später herausstellte, sehr idyllischen Hafenort "abgeschleppt" .
In den verwinkelten Gäßchen der Stadt haben wir uns nach drei Wochen immer noch nicht so recht ausgekannt, aber trotzdem findet man seine Taverne oder das "grüne" Kafeneio immer wieder. Das "grüne" Kafeneio (politisch gesehen wohl eher rot) ist wohl das am häufigsten von Einheimischen besuchte Kafeneio in Naoussa und hat uns deswegen wohl am meisten fasziniert, obwohl der schrullige Wirt uns den Eindruck machte, als ob er leicht verärgert darüber sei, daß wir seinen griechischen Freunden die wenigen Plätze wegnehmen. Es dauerte immer lange, bevor er uns überhaupt seineAufmerksamkeit schenkte, und dann ließ er uns deutlich spüren, daß er überhaupt nicht verstünde, was wir eigentlich wollten. Aber wir blieben hartnäckig und kamen sogar immer wiederund bekamen dann auch seinen parischen "krasi leuko" oder etwas von seinen kleinen "mezedes". ( ein Foto haben wir von ihm nicht gemacht - sonst hätten wir wahrscheinlich nichts mehr zu trinken bekommen)
Auf Paros ist der Wirt des grünen Kafeneio aber nicht das einzige Original. Da wäre noch der alte, einbeinige Dudelsackspieler zu erwähnen, dem wir zum ersten Mal in Pounta, dem Örtchen, wo die Fähre nach Antiparos ablegt , begegnet sind. Wir saßen nichts ahnend bei einem Täßchen griechischen Kaffees in der Taverne, als er plötzlich mit wehendem, schlohweißen Haar auf einem komischen dreirädrigen Gefährt um die Kurve bog, auf der Mole anhielt, mit Hilfe seiner Krücke von seinem fahrbaren Untersatz abstieg und vom Rücksitz seinen Ziegenbalg nahm.
Auf diesem blies er dann ein paar schrille Tönchen, um sodann ein paar Euro einzunehmen. Ganz so bedürftig war er aber anscheinend nicht, denn als wir ihm in Naoussa wieder einmal begegnet sind, war er mit einem neuem Auto unterwegs, hielt nach seiner musikalischen Darbietung ein Schwätzchen mit dem Kellner und machte es sich dann im Kafeneion bei einem Glas Wein gemütlich.
Eine Oase auf Paros - Das Schmetterlingstal PETALOUDES
Eine Quelle ist verantwortlich für die üppige Vegetation mit Zypressen und Obstbäumen, die besonders dicht von Efeu überwuchert sind. Gerade diesen Efeu und das kühl-feuchte Mikroklima lieben die schwarz-gelb gestreiften Nachtfalter, die jedes Jahr zur Fortpflanzung hierher zurückkehren. Wir hatten Glück, denn im September kann man hier besonders viele Falter sehen.
DON`T DISTURB THE PEACE
Zu Tausenden sitzen die Schmetterlinge auf den Pflanzen und erst wenn sie fliegen, sieht man ihre leuchtend rote Farbe. Zur Schonung der ansonsten nachtaktiven Tiere mahnen überall Schilder die Touristen, die Falter nicht in ihrer Ruhe-und Regenerationsphase zu stören.
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LEFKES
Da schon unser Reiseführer über das Bergdorf Lefkes in den höchsten Tönen schwärmte, waren wir natürlich schon sehr gespannt. Wir beschlossen, Lefkes über den alten byzantinischen Weg zu Fuß zu entdecken.
Ausgangsort ist Prodromos, wo wir zuerst einmal eine griechische Bauersfrau nach dem Weg fragen mußten, weil der Einstieg in den gepflasterten Pfad nicht besonders gut erkennbar ist. Vorbei an einem Bauernhof, dessen Hund bellend seine Hühnerschar vor uns verteidigte, ging`s dann bald bergauf zwischen üppig wachsenden Kräuterbüschen.
Dann haben wir Lefkes endlich erreicht - und es ist wunderschön: verwinkelte Gäßchen ohne Autos, weiß bemaltes Pflaster, abrupte Ecken, Treppen, Torbögen, alte Herrenhäuser die vom einstigen Glanz der Zeit zeugen, als der Marmorabbau noch ein lukratives Geschäft auf Paros war. Auf einer kleinen Platia ein malerisches Kafenion, in dessen Dach die Tauben nisten. Wir lassen es uns natürlich nicht nehmen, hier einen Saganaki und den obligatorischen greek salad mit einem Glas parischen Wein, der hier vom Faß ausgeschenkt wird, zu genießen. So gestärkt, machen wir uns zum Heimweg auf, der uns nochmal neue Ausblicke verschafft.
Auch der parische Marmor, der früher die Haupteinkommensquelle auf Paros war, hat durchaus auch heute noch als wichtiger Exportartikel Bedeutung. In der Antike galt das reinweiße Gestein, "lichnites" , der Durchscheinende genannt, als der edelste und kostbarste Marmor der Welt. Viele Großplastiken, darunter die berühmte "Venus von Milos" oder die Hermesstatue in Olympia wurden aus dem durchschimmernden Marmor gemeißelt. Heute findet der Abbau im Gegensatz zu vergangenen Zeiten nur noch im Tagebau statt. Die alten unterirdischen Stollen sind aber erhalten und durchaus eine Expedition mit Taschenlampe und festem Schuhwerk wert.
Der wichtigste Exportartikel ist der Wein aus Paros. Da die Insel relativ grün und fruchtbar ist, wird auf ca. 800 Hektar Wein angebaut und man bekommt als Tourist in mancher Taverne vom guten Hauswein zu kosten. Landwirtschaft und natürlich auch die Viehzucht haben trotz des boomenden Tourismus auf Paros noch immer einen hohen Stellenwert. So ist es für den alten Schafhirten Jorgos überhaupt nichts außergewöhnliches, mit seinem Sohn und seinem Maultier den ganzen Tag mit seiner Schafherde zu verbringen und er scheint recht zufrieden und glücklich als wir ihm bei Sonnenuntergang noch einmal begegnen, wo er gerade seine "Schäfchen" nach Hause bringt.
Einen hohen Stellenwert in Griechenland nimmt der Orthodoxe Glaube ein.

Der Pope mit der schwarzen Soutane und Mütze ist aus dem Alltag des dörflich Lebens nicht wegzudenken. Abseits vom weltlichen Leben gibt es auf Paros sehr viele Klöster, wie zum Beispiel das Männerkloster Longovardas. Zwar ist die Zahl der hier lebenden Mönche auf fünf geschrumpft, aber diese Mönche leben ihren Glauben anscheinend umso intensiver. Natürlich haben Frauen keinen Zutritt, auch die Nonnen vom befreundeten Kloster Christos Dasou warten wie ich vor der verschlossenen grünen Klosterpforte, während Markus eine Führung durch das Kloster machen darf. Ein ständig Gebete murmelnder Mönch zeigt ihm die schönen Fresken der Kirche und den malerisch weiß gekalkten Innenhof mit den spartanisch eingerichteten Mönchszellen und erklärt ihm, daß das Fotografieren von Personen nicht gut sei und daß das Leben der Mönche relativ hart sei, da sie ohne jeglichen Komfort ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten müssen. Zum Klosterleben gehört auch die Arbeit auf den Feldern und Weinbergen und die Viehzucht. Das Brot backen die Mönche nicht mehr selbst, denn während ich draußen warte, kommt ein weißbärtiger Mönch in einem roten Jeep angebraust und lädt einen ganzen Kofferraum voller Weißbrot aus! Nachdem die Führung vorbei ist bekommen wir einen Souma mit süßen Loukoumi kredenzt, und ein dritter Mönch, der inzwischen dazugekommen ist, schenkt den beiden Nonnen und uns frisch geerntete Birnen und Trauben aus den klösterlichen Gärten.
Bei einem Spaziergang durch die Hauptstadt Parikia entdecken wir ein weiteres Relikt alter Zeit: mitten unter den Touristenshops und Souvenierläden in der Hauptflaniermeile eine Apotheke aus der Zeit, als Aspirin wahrscheinlich noch keine zehn Jahre alt war. Die Tür steht offen, und drinnen sitzen ein paar ältliche Damen, wie in einem alten Spielfilm aus den 40er Jahren! Wir treten ganz verdattert ein und fragen vorsichtig, ob denn jemand Englisch spräche.Zum Glück stellt sich heraus, daß eine der Damen perfekt Deutsch spricht, weil ihre Mutter aus Ostpreußen stammte. Diese verliebte sich während des 1. Weltkriegs in einen griechischen Soldaten aus Paros und folgte ihm dann auf die Insel. Die auch schon über 80jährige Dame erklärt uns, daß die Apothekersgattin nach dem Tod ihres Mannes, der wohl schon einige Zeit zurückliegen muß, beschloß, nichts an dem Zustand der Apotheke zu ändern und das Geschäft jeden Abend zu einem gemütlichen Damenkränzchen zu öffnen. So wirkt die Apotheke wie ein Fossil inmitten von Modegeschäften und Ramschverkäufen, aber das scheint die Damen nicht zu stören, das Treffen findet mit aller Selbstverständlichkeit jeden Abend statt, wie dinner for one jedes Silvester.
Aber nicht nur die Alten Treffen sich, auf Paros haben wir so viele Internetcafes wie noch auf keiner anderen Insel entdeckt. In dem Dorf Marmara, wo auch ein Gymnasium ist, wurde das Kafeneion in ein solches umgewandelt und es wird eifrig gesurft. Als moderne Variante der olympischen Tradition findet man ein mit allen Raffinessen ausgestattetes Fitness-Studio: mens sana in corpore sane habitat, wußten schon die alten Griechen und die Jungen pflegen diese Tradition bei aller Modernität!
ANTIPAROS -ein empfehlenswerter Abstecher
Antiparos, die kleine Schwester im Westen von Paros ist problemlos mit der halbstündlich verkehrenden Fähre von Pounta aus zu erreichen. Während wir auf dem Schiff noch auf das Ablegen warten, beobachten wir die Fischer beim Verladen der nächtens gefangenen Sardinen, als noch ein zweiter Fischkutter an den kleinen Anleger tuckert. Stolz wuchten die braungebrannten Männer den Fang der Nacht - zwei Schwertfische - über die Reling in das andere Boot. Mit anerkennenden Pfiffen werden beide Fische gewogen und dann in den wartenden LKW verladen.
Jetzt legt auch unsere Fähre ab und bringt uns in kappen zehn Minuten an den Hafen von Antiparos, wo wir natürlich - wie sollte es anders sein - wieder Fischer beim Netzeflicken sehen.
Absolutes Highlight und eigentlich auch einzige Sehenswürdigkeit von Antiparos ist die Tropfsteinhöhle Agio Ioannou in der Inselmitte. Da wir unser Moped auf der Fähre mitnehmen konnten, überwinden wir ohne Schwitzen die 250 Höhenmeter im zentralen Bergmassiv. Die Höhle öffnet sich als tiefer Schlund in den Berg: nun geht es erst mal wieder steil abwärts über hunderte von feuchten glitschigen Stufen. Gott sei Dank ist alles gut gesichert und beleuchtet. Die Aussicht auf das Höhleninnere mit den unzähligen Stalagmiten und Stalagtiten, die teilweise skurrile Formationen bilden ist gigantisch!

Man geht an meterdicken Tropfsteingebilden vorbei, ein abgebrochener breiter Stalagmit wurde im 17. Jahrhundert sogar als Altar benutzt, als die Weihnachtsmesse im Jahr 1673 dort zelebriert wurde. Viele Menschen haben sich im Laufe der Jahrhunderte in der riesigen Höhle aufgehalten, teilweise auch die Tropfsteine beschädigt und mitgenommen oder als Zielscheibe mißbraucht, was unsere Faszination aber nicht mindert. Im Gegenteil wird das Naturwunder durch diese
zeitgeschichtlichen Spuren noch interessanter.
PARIKIA - die Hauptstadt
Parikia liegt in einer weiten, geschützten Bucht, dahinter erheben sich sanfte Hügel. Da Paros das Fährendrehkreuz der Kykladen ist, legen fast alle 5 Minuten die riesigen Fährschiffe an. Dementsprechend herrscht dann das herrlichste Chaos um die Windmühle, die wie ein Fels in der Brandung zentral im Hafen steht.
Hinter der turbulenten Küstenstraße verbirgt sich der eigentliche Ortskern - ein Gewirr von weißen Gassen mit Cafes, Tavernen, orthodoxen Kirchen, vielen kleinen Läden neben den typischen Pantopoleia: dem Laden in dem es alles gibt, was man als Grieche so braucht: Vom "Waschwandl" über das Biki für den greek coffee bis zu den Favabohnen und den Ouzo kann man hier alles kaufen. So hin und wieder sieht man den Kaufmann auch mit Freunden beim Kaffee vor dem Laden sitzen, wenn er nicht gerade wichtige telefonische Geschäfte zu erledigen hat...

Beim Bummeln durch die Altstadt kann man viele liebevolle Details entdecken. So finden sich zahlreiche marmorne Verzierungen oder Familienwappen, auch drei alte Brunnen aus weißem Marmor gibt es im Zentrum. Die Stadt zieht sich einen Hügel hinauf zum venezianischen Kastro. Die Kastromauer besteht aus antiken Säulentrommeln und anderen Bruchstücken, die augenscheinlich einmal eine andere Funktion hatten! Auf dem Kastrohügel befindet sich auch eine kleine Kirche mit malerischen Rundbögen und einer herrlichen, uralten Altarwand mit wunderschönen Ikonen. Von hier oben aus hatten wir einen herrlichen Blick auf den Sonnenuntergang über dem Meer!
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