|
MILOS - INSEL DER VENUS
Auf dem vulkanisch aktiven Gürtel zwischen den Kontinentalplatten in der Ägäis
findet man sie, die bizarr geformte Kykladeninsel. Wie ein Hufeisen umschließt
das felsige Land eine große Bucht in deren Schutz sich schon von jeher die
Seefahrer begaben. Als Kontrast zur sanften Rundung der inneren,
die zerrissene äußere Küstenlinie, mit tief eingeschnittenen Buchten und Grotten,
in denen das Licht die unglaublichsten Farbspiele hervorzaubert. Hier boten sich in
vergangener Zeit ideale Versteckmöglichkeiten für Piraten mit ihren geraubten
Schätzen oder für verfolgte Verlierer großer Kriege.
Ormos Milou
Aber wie kommt man heutzutage auf diese außergewöhnliche Insel?
Wir wählten nicht den Seeweg, sondern entschieden uns für die abenteuerliche
Anreise in einer 20sitzigen Propellermaschine von Athen.
Am Flughafen Athen erklärte man uns in dem gewöhnungsbedürftigen, für
uns momentan recht unverständlichen Griechen-Englisch,dass unser Gepäck
wegen erwarteter Turbulenzen heute nicht mit befördert werden könne.
Aha!
Naja nicht so schlimm, sagten wir uns, die eine Nacht kriegen wir schon irgendwie rum.
Unverdrossen stiegen wir in den Flughafenbus, der uns zum Flugzeug bringen sollte.
Vorbei an den diversen Jumbojets der verschiedensten Airlines, aber wie lange fährt er denn noch?!
Die Flugzeuge werden immer kleiner, bis er schließlich an dem kleinsten, HERMES,
stehen bleibt.
Wir hatten ein mulmiges Gefühl im Magen, als wir über die 5 Stufen der Trittleiter den
Bauch des Hermes enterten. Jeder bekam einen Fensterplatz! Ein letztes Stoßgebet zum
Himmel, den Gurt um den Bauch geschnallt (ob das wohl was nützt?), ein fragender Blick in
das Cockpit, wo unsere beiden Piloten hoffentlich wissen, was zu tun ist!
Aber die Aufregung war völlig umsonst, die Luft war ruhig, der Flug verlief (äh verflog?)
Gott sei Dank völlig reibungslos.
Der milotische Flugbeamte verkündete uns 19 Reisenden,
die sich mittlerweile durch ihr gemeinsam gemeistertes Abenteuer fast schon wie eine Familie fühlten,
daß wir uns am Gepäckausgabeband einzufinden hätten. Nanu, haben wir das mit dem Gepäck
und den Turbulenzen wohl doch falsch verstanden? Ungläubig betrachten wir das bewegte
Förderband, aber außer zwei kleineren Reisetaschen, die anscheinend leicht genug waren, war da nichts.
Ein weißhaariger Mann vom Personal erklärte uns mit noch dienstlicherem Ernst als sein Kollege,
daß das Gepäck aus bekannten Gründen nicht mit fliegen konnte, und am nächsten Tag zur
festgesetzten Zeit im Olympic Airways Büro abzuholen sei.
So machten wir uns also auf um ein Quartier für unseren 3wöchigen Aufenthalt zu finden,
charterten ein Taxi und nachdem wir in dem malerischen Bergdorf Plaka abseits von den
"Touristenburgen" ein Studio gefunden hatten, kauften wir uns eine Zahnbürste und Zahnpasta,
und der Urlaub konnte beginnen!
Und da hat sie uns bald in ihren Bann geschlagen - eine Insel auf der es eigentlich gar nichts
zu sehen gibt - nicht mal mehr die originale Venus, denn die steht im Louvre.
Aber wenn wir schon beim Thema Antike sind: in der Nähe des Fundorts der Venus gibt es
wunderschön über dem türkisblauen Meer gelegen ein marmornes Theater - weiß strahlende
Sitzreihen im Halbrund über der Bühne , verzierte Marmorkapitelle, ein Sockel auf dem früher
wohl eine Statue gestanden haben mag. Die Phantasie wird geweckt, man kann sie fast schon
sehen, die lorbeerbekränzten Helden, die wunderschöne Königstochter, die feindlichen Entführer...
Antikes Theater bei Tripiti
Wir begeben uns auf die Suche nach dem Mosaik im Dionysos-Tempel, der zu römischer Zeit
In der Nähe des Theaters war. Am sonnenbeschienenen Südhang stapfen wir über verdorrte
Wiesen und sandige Wege, die von alten Tonscherben übersäht sind. Aber wir finden nichts,
außer einer Marmorsäule, die die Inschrift DIONYSOS trägt - auf heißer Spur???
Später erfahren wir, daß das 3*15m große Mosaik, das 1896 entdeckt wurde und außerordentlich
schöne naturalistische Motive beinhaltet, von den Archäologen wieder mit Erde bedeckt wurde.
Weil diese antiken Stätten und die landschaftliche Schönheit um Klima herum auf uns eine magische
Anziehungskraft hatten, kamen wir nachts bei Vollmond noch einmal zurück um die ganz besondere
nächtliche Stimmung photographisch festzuhalten.
Große Faszination übte auch die thermische Aktivität der Insel auf uns aus: unser Steckenpferd wurde
das Aufspüren heißer Quellen!
Weil die Insel vulkanischen Ursprungs ist gibt es viele verschiedene Mineralien und geothermale
Strömungen, die an manchen Stellen an der Oberfläche spürbar werden. Schon im Reiseführer lasen
wir, daß es schwefelhaltige Heilbäder direkt am Meer gibt, die Linderung bei Arthritis oder Hautkrankheiten
geben. Als wir nun mit unserem Moped wieder einmal auf Entdeckungsreise gingen, sahen wir zwei
leuchtend grüne Umkleidekabinen am Strand in der Nähe von Achivadolimni. Nanu- das ist ja wohl
wirklich nicht der Standard auf Milos dachten wir uns und als wir dann auch noch ein Taxi besetzt mit drei
schon etwas betagteren Griechen halten sahen stoppten auch wir und schauten neugierig an den Strand.
Zunächst konnten wir nichts besonderes entdecken bis die - für milotische Verhältnisse zahlreichen Griechen -
aufgeregt auf den Boden deuten und uns aufsteigende Blasen im Meerwasser zeigten.
Kanavas
Hui der Sand war ganz schön heiß!!! Die alten Griechen lachten hellauf als wir erschrocken
unseren gut temperierten Standplatz wechselten.
Wenigstens haben wir verstanden , was sie uns erklären wollten werden sie sich gedacht haben.
So setzten wir uns also eine Zeitlang zu ihnen ins warme, schwefelige Meerwasser und ergötzten
uns mit kindlichem Erstaunen an den heißen Blubberblasen . Sogar im Meer konnte man sich fast
die Füße verbrennen.
Ein weiteres Highlight dieser Art wurde für uns Loutra Aliki: eine schwierig auffindbare Felsenhöhle
in der Nähe der Salinen. Nachdem wir uns bei einem Griechen vergewissert haben, daß wir in der
richtigen Gegend sind stapfen wir über "Thymianaroma" auf eine unscheinbare Felsenspalte zu, steigen
gespannt über sandige Bimssteinstufen in eine Höhle.
Huch ist das hier finster ! Ihhh, was ist das!? Eine Fledermaus flattert - wahrscheinlich genauso erschrocken wie wir -
an uns vorbei ins Freie.
Langsam gewöhnen sich unsere Augen an das Höhlendunkel. Vor uns liegt ein kleiner See, mit einer Schicht
aus Bimssteinstaub bedeckt. Zögerlich berühren wir das Wasser und mit unheimlicher Langsamkeit sinken die
Staubplatten sanft zum Grund. Das Wasser ist vollkommen klar und warm! Für einen Höhlensee würde man sich
eigentlich etwas anderes erwarten. Jetzt wieder mutiger geworden entdecken wir lange Nägel, die anscheinend
als Kleiderhaken in das weiche Gestein geschlagen wurden. Wie lange mag wohl schon niemand mehr da gewesen sein?
Früher wurde das 30°C warme und sehr mineralienreiche Wasser laut unserem Reiseführer als "Heilbadesee"
gegen diverse Krankheiten benutzt.
Loutra Aliki
Auf unserer Weiterfahrt kommen wir an den nicht unbedingt malerischen Resten eines geothermalen Kraftwerks
vorbei. Ein EU-Projekt zur Nutzung der vulkanischen Energie, das sich anscheinend doch nicht rentiert hat.
Unser Ziel ist das aufgelassene Schwefelbergwerk Thiafes. Über einsame Schotterpisten fahren wir durch ein
steiniges Farbenschauspiel. Wirklich faszinierend, wie bunt das Gestein ist: da sind gelbe Schwefelbänder,
daneben strahlend weißes Kalkgestein , dann dunkelrotes eisen- und manganhaltiges Gestein. An der Ostküste
direkt am Meer liegt dann endlich das Bergwerk.
Thiafes
Ein Rundgang durch die verlassenen Fabrikgebäude ist wie ein Ausflug in vergangene Zeit.
In den Arbeiterwohnungen liegen noch alte Bettgestelle herum, man kann
Küche, Bad und Aufenthaltsräume erkennen, über verrostete Gleise und herumliegende Loren kommen wir zur
Energiestation, gegenüber "klettert" ein Förderturm den schwefelhaltigen Felsen hinauf, im Chemielabor stehen
auf einem vom Staub und Schutt bedeckten Holztisch noch zerbrochene Glasgefäße herum, in einer Ecke finden wir
vergilbte Stempelkarten. Der Geruch des Schwefels hilft unserer Phantasie uns in Bergbaustimmung zu versetzen
und als wir noch in einen alten Stollen hineingehen, sind wir völlig in einer anderen Welt. In den achtziger Jahren wurde
das Bergwerk verlassen, weil die mittelamerikanische Konkurrenz für dieses vergleichsweise winzige
Schwefelvorkommen zu groß war.
Thiafes
Was man auf keinen Fall auslassen sollte ist ein Besuch auf der Nachbarinsel Kimolos.
Von dem malerischen Fischerort Pollonia geht jeden Tag eine kleine Autofähre hinüber auf die 36qkm große
Insel auf der ca. 700 Menschen leben.
Mit unserem fahrbaren Untersatz konnten wir bequem eine Rundfahrt vom Hafen Psathi aus starten. Als
erstes wollten wir den Hauptort Chora, der sich oberhalb des Hafens wie ein weißes Band an den Hügel
schmiegt erkunden. Aber sobald wir in die Nähe des Zentrums kommen wird uns auf dem Mofa immer
unbehaglicher zumute: die Gassen zwischen den nach Kykladenart dicht an dicht stehenden Würfelhäusern
sind dermaßen eng und schmal und dermaßen verwinkelt und unübersichtlich, daß wir unser Zweirad schließlich
erleichtert an der Kirche abstellen und das Häuserdurcheinander zu Fuß erkunden. Ein kleines Kafeneion an dem
Kirchplatz bietet uns eine willkommene Rast. Der Wirt beäugt uns zwei Touristen neugierig, will mit uns ein
Schwätzchen machen, da er aber kein Englisch und wir leider auch nicht Griechisch können (ein schwerer
Nachteil auf solch abgelegenen Inselchen!), beschränkt sich unsere Konversation auf "Kalimera! Dia Kafedes
metrio,parakallo".
Entspannt beobachten wir das Leben in der Hauptstadt: drei Kinder und ein Fahrrad - das Spiel sieht
folgendermaßen aus: 1 Kind fährt mit dem Rad um den Häuserblock, die beiden anderen verfolgen es per pedes
und alle haben riesigen Spaß dabei. Hausfrauen kommen beladen mit Tüten voll frischen Gemüse vom
Einkaufen (der Gemüsehändler wurde mit unserer Fähre mit neuer Ware versorgt), zwei Griechen steuern
auf unser Kafeneion zu um auch ihren morgendlichen Metrio zu trinken. Die ganze Stimmung wirkt
ausgesprochen friedlich und ausgeglichen. Zufriedenheit und Gelassenheit prägen die Menschen auf Kimolos.
Gestärkt und wieder voller Tatendrang machen wir einen Spaziergang hinauf zu den verlassenen Windmühlen
auf dem Bergkamm. Zwei Esel, die uns beladen mit Körben entgegenkommen werden gleich photographisch
festgehalten, hier werden die Esel nämlich noch häufig als Lasttiere (nicht nur als Touristenattraktion) eingesetzt
- bei den engen Straßen verwundert uns das auch nicht.
Chora
Nachdem wir in einer Taverne köstliche gebackene Tomatenbällchen und die typischen Käsetaschen verspeist
haben, geht es weiter, die Küste entlang bis an das nördliche Ende der Insel. Die strahlend weißen Felsen
heben sich beeindruckend gegen das blaue Meer ab. Der Name Kimolos kommt wahrscheinlich von "Kimolia": Kreide.
An einem wunderschönen Sandstrand mit total klarem Wasser legen wir eine "Schnorchelpause" ein und
lassen dann im Schatten einer Tamariske die Seele baumeln.
 |
Klima
|
 |
Adamas
Kleftiko
Kap Vani
|